Sonderkulturen im Schwabacher Umland

Gerste, Weizen, Hafer, Roggen, Raps und Rüben, das sind Feldfrüchte unserer fränkischen Landschaft, die uns über Jahrzehnte geläufig waren. Und uns Schwabachern ist natürlich auch das Bild des blühenden Tabaks ans Herz gewachsen.

Aber wenn heutzutage in unseren Fluren Lupinen, Elefantengras, Hanf, Echinazea, Amaranth und sonstige ungewöhliche Pflanzen zu finden sind, kommt der genaue Betrachter unserer Landschaft ins Grübeln und fragt sich, was hier wohl wächst?

Aus diesem Grund machte sich eine kleine Gruppe der Grünen auf den Weg von Schwabach nach Oberreichenbach, um sich über die Früchte unserer Felder zu informieren?

 

Am Ende der Waikersreuther Straße wurden Die Grünen von Martin Schnell aus Kammerstein-Neppersreuth erwartet, der hier zum Anbau von steirischen Ölkürbissen berichtete. Jahrzehntelang wurde nur der einfache Riesenkürbis in Bauerngärten oder früher in der Umgebung von Forchheim zum süßsaurem Einwecken angebaut. Seit 2004 wachsen nun rund um Schwabach auf rund 70 ha Ölkürbisse, die von der Landwirtsfamilie Schnell nach der Ernte in Kürbiskernöl oder in süße Schokoladenkürbiskerne verwandelt werden. Besonders interessant war für die Grünen, dass Martin Schnell inzwischen auch den regionalen Biomarkt bedient. Die Biokürbisse wachsen auf Feldern von seit Jahrzehnten anerkannten Biobauern, wodurch auf deren Bioäckern eine erweiterte Fruchtfolge möglich wird. Zugleich wird die Zusammenarbeit und der Erfahrungsausstausch von konventionellen Landwirten und Biobauern gefördert. Herr Schnell selbst hat sich für das „Bio“-Kürbiskernöl durch „Bioland“ zertifizieren lassen. Wer glaubt, ihm irgendwelche Schmuh-Möglichkeiten unterstellen zu können, erfährt von ihm sehr überzeugend, dass er ganz hinter seiner Bioware steht, auch wenn die Bearbeitung der Biokürbisfelder, die nach Biorichtlinien erfolgen muss, wesentlich mühsamer ist, aber damit auch den höheren Preis rechtfertigt. Martin Schnell ist von seinem Bioanbau überzeugt. Seine nächsten Schritte bei dieser Sonderkultur wird das Pressen des Öls im eigenen Betrieb sein, berichtet er stolz.

Damit man sich die aufwändige Herstellung überhaupt vorstellen kann, erklärte Martin Schnell, dass man für 1 Liter Kürbiskernöl ca. 50 Kürbisse brauche, die etwa 2 1/2kg Kürbiskerne beinhalten. Auf einem Hektar wüchsen 10-15000 Kürbisse, bzw. 400 – 800 kg Kerne oder ca 200 l Öl.

 

Die zweite Station waren die Haselnuss-  und Hollunderfelder von Familie Bub aus Oberreichenbach. Dass Haselnußsträucher zu  unserer Landschaft gehören, ist allgemein bekannt. Dass aber bei uns fast ausschließlich Haselnüsse von der türkischen Schwarzmeerküste vermarktet werden, ist nicht im Bewußtsein. Jetzt startete eine kleine Gruppe fränkischer Landwirte den Versuch, eine polnische Haselnusssorte als Frankennuss für den regionalen Markt zu kultivieren. Wir VerbraucherInnen müssen allerdings noch ca 5 Jahre warten, bis wir in den Genuss dieser Haselnüsse kommen dürfen. Solange dauert es, so erklärte  Günther Bub, bis die Sträucher genug tragen, damit sich eine maschinelle Ernte rechnet. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er auf mehrere Standbeine gesetzt. Gänse, Tabak, Eier von Hühnern in Bodenhaltung, Spargel und auch Hollunder.

Die neugierigen Grünen konnten erstaunt feststellen, dass dieser kurz vor der Ernte steht und  gleichzeitig Blüten und Früchte trägt. Der Grund: im Frühjahr sind heuer viele Blüten erfroren, deshalb treibt der Strauch jetzt nochmals Blüten nach. Die Bubs verwenden beides zu seiner Zeit, im Frühjahr einen Teil der Blüten für Hollersekt und im Herbst für Saft, der unter regionalen Apfelsaft gemischt wird und so als erfrischendes, gesundes Getränk angeboten wird. Deutlich wurde bei dem Gespräch aber auch, wie sehr der Gewinn der Landwirte von Wind und Wetter, Regen und Sonne, von der Qualität des Saatgutes, dem Standort, der Bodenqualität, dem Erntezeitpunkt und und und abhängig ist.

Der Schwabacher Tabak gehört zu den Feldfrüchten, die mehr und mehr von den Äckern verschwinden, aufgrund rückläufiger EU-Subventionen. Zum großen Erstaunen war aber von Martin Schnell zu hören, dass sich der Anbau immer noch rechnen kann. Wie lange noch ist allerdings ungewiss, da die Tabakpreise vom Weltmarkt gesteuert werden. Die Landwirte müssen von Jahr zu Jahr neu entscheiden ob sie noch Tabak anbauen oder nicht.

Noch hat der fränkische Tabak wegen seiner goldenen Farbe eine besondere Qualität, die - was fast nicht zu begreifen ist - besonders in Ägypten für die Wasserpfeifen gefragt ist. Aber das Risiko der Landwirte ist weiter gestiegen. Sie aber bräuchten wegen der zunehmenden Konkurrenzsituation durch die industrialisierte Landwirtschaft und dem mehr und mehr global agierenden Markt eine gewisse Portion Sicherheit für notwendige Investitionen zum Beispiel zum Umstellen auf neue Kulturen und vor allem zum Überleben.

Karin Holluba-Rau, überreichte beiden Landwirten als kleines Dankeschön für die interessanten Informationen die Kurzfassung des Weltagrarberichtes, mit der Garantie sie im Sinne der Botschaft aus dem von der Weltbank initiierten Bericht “dass ein weiter wie bisher keine Option für die Landwirtschaft weltweit und vor Ort ist” zu unterstützen.


Herr Schnell präsentiert die Kürbisfelder.


Bei den Haselnusspflanzungen der Familie Bub.

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