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Stadtrundgang mit MdL Sabine Weigand

Heimat Schwabach

03.03.26 – von Heidi Deffner –

Mindestens 100 Teilnehmende versammelten sich bei schönstem Vorfrühlingswetter im Schwabacher Mönchshof zum historischen Stadtrundgang mit Dr. Sabine Weigand zum Thema „Heimat Schwabach“. Die Stadt war seit ihren Anfängen immer in der Lage, neue Bürgerinnen und Bürger zu integrieren. In mehreren Wellen siedelten sich zur Zeit der Völkerwanderung zunächst die Sueben an, später die Franken, die den Mönchshof als Königshof gründeten und ihn später an das Kloster Ebrach verschenkten. Daher rühren die Namen Schwabach und Mönchshof.

Im 14. Jahrhundert flohen viele Juden vor den Pogromen in Nürnberg nach Schwabach. Sie brachten erhebliche Steuern auf und wuchsen zu einer ansehnlichen Gemeinde mit Synagoge, Mikwe und einer Talmudschule heran. Jüdische und nichtjüdische Kinder gingen bis in die 1930er-Jahre des 20. Jahrhunderts gemeinsam zur Schule. Walter Tuchmann, der Gründer der 3S-Werke, und seine Frau waren als Mäzene in die Stadtgesellschaft integriert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren allerdings schon 1938 alle jüdischen Mitbürger entweder geflohen oder vertrieben – Schwabach war „judenfrei“. Sechshundert Jahre gemeinsamen Zusammenlebens endeten brutal, so Sabine Weigand.

Aus Frankreich kamen im 17. Jahrhundert mit den Hugenotten protestantische Glaubensflüchtlinge, die vom Markgrafen von Ansbach gezielt in der Boxlohe angesiedelt wurden, um seine Steuereinnahmen zu erhöhen. Waren die Schwabacherinnen und Schwabacher auch zunächst skeptisch und ablehnend, integrierten sich die Neuankömmlinge mit ihren handwerklichen Fähigkeiten in der Tuchherstellung binnen weniger Generationen vollständig. Ähnlich verhielt es sich mit den österreichischen „Exulanten“, die im 18. Jahrhundert in mehreren Wellen in der Stadt Zuflucht suchten, sowie mit der großen Anzahl an Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Es folgte das Wirtschaftswunder, und mit ihm der Arbeitskräftemangel in den metallverarbeitenden Betrieben. Die ersten angeworbenen „Gastarbeiter“ in Schwabach kamen 1960 aus Italien und wurden mit der Blaskapelle begrüßt. Inzwischen leben Menschen aus 96 unterschiedlichen Nationen in der Stadt; 35 % haben einen sogenannten Migrationshintergrund – und zwar ohne größere Konflikte im sozialen Miteinander, was Sabine Weigand zum Schluss ihrer Führung besonders hervorhob. Sie sehe mit Sorge, dass es auch in Schwabach Bestrebungen einer Partei gebe, die Migration für alle möglichen Probleme verantwortlich mache, und forderte auf, am nächsten Sonntag demokratisch zu wählen. Die Zuhörenden dankten ihr für den aufschlussreichen Einblick in die Stadtgeschichte mit lang anhaltendem Beifall.

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