Seit Generationen bauen die Vorfahren von Günter Bub in Oberreichenbach üblicherweise  Tabak an. Vor 25 Jahren kamen Spargelfelder dazu, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen. Doch wie der Tabak wirft auch der Spargel  immer weniger Gewinn ab. Ein Grund dafür ist, dass die Erntehelfer nach Mindestlohn bezahlt werden müssen, was der Bauer nur bedingt auf den Preis umlegen kann. „Der Verbraucher  schaut aufs Geld und nimmt im Supermarkt lieber den billigen Spargel aus Griechenland“, so Bub bei einer Besichtigungstour im Rahmen der „Grünen Wege“, einer Veranstaltungsreihe der Grünen Mittelfrankens, die dieses Jahr Betriebe mit alternativen Formen der Bewirtschaftung ansteuern.

Von Frühling bis Weihnachten dürfen Gänse im angrenzenden Weiher schwimmen und auf der Wiese grasen. Dass dies für die Gänse schon vor ihrem Schlachttermin tödlich enden kann, erlebte Bub vor kurzem, als ein Fuchs sich eine Gans holte. Die Hühner in den zwei mobilen Ställen haben ebenso viel Auslauf und frisches Grün. Sie fressen außerdem Weizen von den hofeigenen Feldern sowie Soja und  Lupinen als Eiweißfutter. Ein noch nicht ganz fertig gestellter doppelter Weidezaun wird künftig als Gehege für die neuesten Bewohner des Hofes dienen: Duroc-Schweine werden dort ganzjährig weiden, eine alte Schweinerasse mit gut durchwachsenem Fleisch. Die zweifache Umzäunung schützt sie vor dem Kontakt mit Wildschweinen und damit vor der Schweinepest.

Dass Äpfel und Birnen die ersten „Bio-Produkte“ am Hof waren, erklärt Günther Bub so:  „Einen Apfel möchte ich direkt vom Baum pflücken und jederzeit reinbeißen können, ohne ihn vorher zu waschen.“ Die ersten 800 Obstbäume hat Familie Bub 2012 gepflanzt. Heute haben sie rund 6000 bio-zertifizierte Bäume auf ihren Flächen stehen. Viele verschiedene Sorten sind vertreten, um die Geschmacksvielfalt aufzuzeigen und über einen möglichst langen Zeitraum frisches Tafelobst anbieten zu können. Eine Besonderheit ist die Apfelsorte Santana, die auch Allergiker ohne Probleme essen können. 

Die Familie hat über die Jahre viele Erfahrungen im biologischen Obstanbau gesammelt. Mit Pheromonen (Duftstoffen) und Bacillus-Präparaten wird der Apfelwickler ferngehalten, gegen Pilzkrankheiten hilft Kalk/Schwefel-Brühe, Untersaaten liefern dem Baum die  nötigen Nährstoffe. „Natürlich sind nicht alle Äpfel und Birnen makellos und frei von Schorf, das liegt eben in der Natur der Sache,“ erklärt Diana Bub. „Unsere Kunden schätzen den besonderen Geschmack von Sorten, die man so nicht im Supermarktregal finden wird.“

Die derzeitige Trockenheit macht den Obstbäumen bisher wenig aus, da sie mit einer Bewässerungsanlage versorgt werden. Tröpfchenweise fließen bei Bedarf pro Stunde eineinhalb Liter Wasser in den Boden. Der Klimawandel sorgt allerdings dafür, dass die Bäume immer zeitiger im Frühjahr zu blühen beginnen. „Die Honigbienen fliegen bei den dann noch niedrigen Temperaturen aber nicht“, weshalb Bub hofft, mit zusätzlichen Bienenhotels auch die fleißigeren und flexibleren Wildbienen anzulocken.

„Ich durfte von Anfang an dabei sein beim Pflanzen der Obstbäume“, sagt die 23-Jährige Tochter Theresa Bub. Die angehende Bäuerin bietet der Besuchergruppe stolz den hofeigenen Apfelsaft und Apfelwein an. Grünen-Sprecherin Heidi Deffner bedankt sich für die kurzweilige Hofführung und wünscht der Familie weiterhin viel Erfolg beim  Ausprobieren nachhaltiger und zukunftsfähiger Formen der Bewirtschaftung.

Sämtliche Produkte des Bio-Obst und Spargelhofs gibt es im Hofladen der Familie Bub, Alexanderstraße 9 in Oberreichenbach. Der gekühlte Automat hält außerdem 24 Stunden am Tag Eier und andere Produkte bereit, auch von anderen Hofläden der Region.

 

 

 

 

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